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Engel in Filmen.

 

 

 

Interview über die Entstehung von Anjas Engel

Das Gespräch führte Stefan Hoffmann, verantwortlicher Redaktor des Schweizer Fernsehen.

Stefan Hoffmann: Glauben Sie an Engel?

Pascal Verdosci: Ja. Man lernt sie schon als Kind kennen, sieht sie dann in Filmen, auf der Bühne und auf Gemälden. Auch in Konzerten kann man sie hören. Sie sind Bestandteil unserer abendländischen Kultur. Ob es sie wirklich gibt, das muss jeder für sich entscheiden.

Und warum soll am Sonntag, 2. Januar 2005 um 20.30 Uhr, wenn auf SF1 «Anjas Engel» ausgestrahlt wird, die Fernseh-Schweiz an Engel glauben?

Weil es sich lohnt, für anderthalb Stunden in die Welt der Engel einzutauchen. Sie ist spannend, mal traurig, mal heiter – auf jeden Fall unterhaltsam.

Wie ist die Idee zu «Anjas Engel» entstanden? Gab es Vorbilder?

Schon lange wollte ich eine Geschichte über Abschied schreiben, über Schmerz und über Verlust. Durch die Sicht eines Engels kriegt die Geschichte aber eine Ironie, die das Drama erträglich macht. Wie zum Beispiel in «Always» von Steven Spielberg.

Glaubhaft zu machen, dass Engel auch nur Menschen sind, war ja bestimmt nicht die einzige Herausforderung an die Produktion. Wie kam es zur in dieser Form bisher nie dagewesenen Zusammenarbeit mit der Patrouille Suisse?

Als mir klar wurde, dass die Hauptfigur ein Pilot sein sollte, kam mir sofort die Patrouille Suisse in den Sinn. Ich musste natürlich bei der Patrouille Suisse erst mal recherchieren. Dabei stiess ich auf offene Türen und grosse Unterstützung. Sehr schnell habe ich das Vertrauen des Kommandanten der Patrouille Suisse, Daniel Hösli, gewinnen können. Die Welt der Piloten konnte so präzise und echt nachgezeichnet werden. Das war eine äusserst fruchtbare Zusammenarbeit.

Und wie konnten Sie das Vertrauen des VBS ins Medium Film wieder gewinnen, nachdem es sich ja gerade erst von der Kino-Komödie «Achtung, fertig, Charlie!» distanziert hatte?

Schon früh haben alle Betroffenen das Drehbuch einsehen können. Das hat von Anfang an jegliche Zweifel aus dem Weg geräumt und Platz gemacht für einen konstruktiven und kreativen Dialog.

Können Sie noch etwas zur komplexen Vorbereitung und zur Koordination der Dreharbeiten mit dem Flugprogramm der Patrouille Suisse sagen, die ja zeitgleich ihr 40-Jahr-Jubiläum feierte?

Es galt, möglichst viele Aufnahmen mit der Patrouille Suisse in möglichst kurzer Zeit realisieren zu können. Denn Film kostet Geld. Und die Patrouille Suisse natürlich auch. Wir haben uns an den Plan der Patrouille Suisse gehalten und darum herum unseren Dreh organisiert. In einer ersten Phase haben wir die «Spielszenen» gedreht, die auf dem Militärflugplatz in Emmen stattfinden. Da haben wir gleich ein paar reguläre Starts und Landungen mitgefilmt. In einer zweiten Phase, mit reduzierter Crew, haben wir dann alle Flugaufnahmen aufgenommen. Da die Patrouille Suisse sowieso für die Air 04 in Payerne trainieren musste, sind für das VBS keine zusätzlichen Flugstunden angefallen.

A propos Herausforderung: Die Hauptfigur des Films ist ein Pilot der Patrouille Suisse, der die grösste Herausforderung seines Lebens erst nach seinem Tod erlebt. Könnte ihm jetzt nicht alles egal sein? Denn wenn man tot ist, kann einem ja eigentlich nichts Schlimmeres mehr passieren!

Das ist ja die Krux. Nach dem Tod hört es eben nicht auf. Das Leben geht in einer anderen Form weiter, und die Hauptfigur kann erst in den Himmel kommen, wenn sie sich verabschiedet hat. Doch das ist genau das Problem, denn wir wissen alle, dass Abschied nehmen nicht einfach ist.

Ironie des Schicksals: Philippe kommt ums Leben, kurz nachdem er zum Staffel-Leader befördert worden ist – aber nicht etwa als tollkühner Held des Himmels, sondern mit dem Fahrrad...

So ist das eben im Leben. Es kommt immer anders als man denkt. Philippe ist ein so guter Pilot, dass er sich dem himmlischen Willen beim ersten Versuch noch entziehen kann.

Was ist das für eine Frau, die er zurücklassen muss, aber nicht loslassen kann? Warum ist das in ihrem Fall so schwierig?

Philippe und Anja waren zum Zeitpunkt seines Todes in einer schwierigen Phase. Dass weder er noch sie Zeit hatten, sich auf sein Ableben vorbereiten zu können, macht es auch nicht einfacher. Diese Umstände führen dazu, dass es beiden schwer fällt, den andern los zu lassen.

«Anjas Engel» ist in mehrerlei Hinsicht ein aussergewöhnlicher Fernsehfilm geworden. Ganz besonders jedoch in bezug auf das beeindruckende Ensemble, das für den Film buchstäblich Grenzerfahrungen durchleben musste. Wie haben Sie Ihre Schauspielerinnen und Schauspieler in diesen intensiven Momenten angeleitet?

Die grösste Tugend eines Regisseurs ist, auf die Persönlichkeit eines Schauspielers eingehen zu können. Nicht jeder Schauspieler muss auf die gleiche Weise geführt werden. So hat Barbara Maurer zum Beispiel den Schmerz und das Drama aus sich heraus gearbeitet, ohne viel mit mir darüber zu reden. Das war sehr schön anzusehen und hat bei vielen Takes zu hervorragenden Aufnahmen geführt. Anatole Taubman hat hingegen viel mit mir über seine Figur gesprochen. So sind sie beide mit komplett unterschiedlichen Arbeitsweisen an ihre Rollen heran gegangen. Mit demselben Resultat: Sie haben sehr viel gegeben. Und das sieht man auch im Film.

Neben dem Ensemble tragen Kamera und Schnitt wesentlich dazu bei, dass man sich als Zuschauer so involviert fühlt. Wie sah das visuelle Konzept des Films aus?

Engel abfilmen ist keine einfache Sache. Soll man sie sehen, haben sie einen Schatten, können sie durch Wände gehen? Schon früh haben wir uns entschlossen, die Engel als ganz normale Figuren in den Film zu integrieren. Kameramann Hans Meier hat in Zusammenarbeit mit der Ausstatterin Ursula Sax die verschiedenen Welten, in denen der Film spielt, in ein entsprechendes Licht gesetzt. Das Zuhause von Philippe und Anja, die Homebase der Patrouille Suisse in Emmen, aber auch die Sequenz im Freibad: Alle haben ihren Ton und ihre Farbe, die speziell auf den Gemütszustand der Protagonisten abgestimmt sind. Mit der Cutterin Lilo Gerber wurde dann der Film auf seine Geschichte hin geschnitten. Man sagt ja, man mache einen Film insgesamt drei Mal. Das erste Mal, wenn man ihn schreibt, das zweite Mal, wenn man ihn dreht, und das dritte Mal, wenn man ihn schneidet. Bei den Dreharbeiten haben wir keine Gelegenheit ausgelassen, neue Ideen und Varianten einfliessen zu lassen. Mit dem Schnitt mussten dann aber viele Entscheidungen gefällt und eine Linie gefunden werden. Mit Lilo Gerber hat der Film wieder zur Ursprungsidee zurückgefunden: eine Geschichte über Abschied.

Welche Bedeutung hat Käse im Film?

Eine grosse. Käse steht für das, was ein Engel auf Erden zurücklassen muss. Alphonse, Philippes Begleitengel, ist schon ein Stück weiter. Von seiner Frau hat er Abschied nehmen können, nun trauert er noch ein bisschen den Dingen nach, die er im Himmel nicht mehr antreffen wird: ein gutes Stück Käse zum Beispiel. Aber auch solche Sachen, die einem erst im Jenseits auffallen: ein Stein oder eine Blume. So hat jeder Engel seine Dinge, die er nur ungern zurücklässt.

Und dann diese zauberhafte Musik: Welchen Stellenwert hat der Soundtrack und wie ist es Ihnen gelungen, Burkhard Dallwitz dafür zu verpflichten?

Sergio Leone hat einmal gesagt: Ennio Morricone, der Komponist, sei sein bester Drehbuchautor. Filmmusik ist für mich enorm wichtig. Und Burkhard Dallwitz ging mir nach Peter Weirs «Truman Show» nicht mehr aus den Ohren. Ich habe viel Zeit investiert, ihn aufzufinden und zu kontaktieren. Er lebt in Australien. Ich habe ihn aber bei einem Besuch in Hamburg getroffen, wo er sich von mir und der Geschichte hat überzeugen lassen. Die Zusammenarbeit war in jeder Hinsicht spannend und erfolgreich.

 

 

Cast und Crew
Alle, die mitgemacht haben

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