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Sorry, no English avail. | ||||||
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| Hongkong, Januar 2001 Die SAR Hongkong (Special Administrative Region), wie sich die ehemalige Südostasien-Dependance der Queen nun nennt, ist auch nach drei Jahren nach der Übergabe ein separater Teil von China. Ein Land, zwei Systeme, heisst das Motto. Und darauf sind die Jünger Maos mächtig stolz. Das bedeutet, dass in Hongkong nach wie vor mit dem HK Dollar gehandelt wird und, dass wenn man dorthin reisen will, man eine veritable Grenze mit Zoll und all den anderen Nettigkeiten passieren muss. Ich erhalte einen Ausreisestempel auf mein chinesischen Visum und ein kostenloses Visum für vier Monate von Hongkong, was sovie heisst, dass ich raus aus China bin. Der Bus setzt uns nach drei Stunden Fahrt via Shenzhen irgendwo in Kowloon ab. Wir irren mit unserem Gepäck durch die Strassen, ohne einen Dollar in der Tasche um ein Taxi zu nehmen. Bis Klaar in den Sinn kommt, dass hier vielleicht jemand englisch sprechen könnte. Das erste Paar antwortet dann auch gleich in perfekt britischem Akzent und bringt uns gleich zur Metrostation, wos selbstverständlich einen ATM gibt, der ausländische Kreditkarten schluckt. Als ich mit all den durchgestylten Chinesen in der ultramodernen Metro wie ein Pfeil Richtung Tsimshatsui flitze, wird mir endgültig bewusst, dass ich in einer anderen Welt bin. Keiner start mich mehr an, Chinesen sprechen englisch untereinander, das Zuginformationsststem ist kundenfreundlich perfekt und keener spuckt auf den Boden. Kurz vor dem Ende der Nathan Road steigen wir aus und als wir durch den Metroschacht mitten ins Nachtleben von Hongkong reinpurzeln, haben wir glasige Augen. Ich fühle mich gerührt wie ein Dreijähriger, der zum ersten mal vor einem Weihnachtsbaum steht. Wow, das ist Hongkong! Wir machen uns gleich auf die Suche nach einer budgetgerechten Unterkunft, was uns zu zwei dubiosen Wohnsilos treibt. Im ersten ist uns die Ansammlung zweifelhafter Gestalten zu hoch, im zweiten handeln wir ein Zimmerchen im zehnten Stock mit drei Betten, Dusche und WC auf unschlagbare 60 HK$ pro Nase runter. Wir lassen alles stehen und liegen und pilgern zum nahegelegenen Pier. Falls ihr schon mal in Hongkong mart, dent ihr wahrscheinlich das Gefühl, das erste Mal nachts von Kowloon nach Hongkong Island rüberzublicken. Einfach atemberaubend. Ich habe wahrscheinlich noch nie soviel elektrisches Licht auf einmal gesehen. Der Mann schaut sich sicherheitshalber meinen Pass an, wobei sein Lächeln verschwindet, er auf meine vier Verlängerungen zeigt und meint, dass mit diesen Stempeln meine Chancen auf ein neues Visa äusserst gering seien. Er will es aber trotzdem versuchen und verspricht eine Antwort diesen Abend. Damit habe ich ja nun wirklich nicht gerechnet. Wo soll ich denn hin, wenn nicht zurück nach China? Ich nehme eine Fähre nach Hongkong Island und gehe spazieren um erst mal nachzudenken. Ich kämpfe mich durch die Einkaufs- und Businessstrassen Richtung Victoria Peak. Die Szenerie verändert sich, je weiter ich mich vom Meer entferne. Ich schlendere durch offene chinesische Märkte, gehe immer mehr Treppen hoch, bis ich die Wolkenkratzer durch das schattige Grün subtropischer Vegetation sehen kann. Bald stehe ich in einem botanischen Garten, wandle durch einen Bambuswald, sehe mir Vögel in grossen Käfigen an, die ich noch nie zuvor gesehen habe und beobachte eine Orang-Utan-Familie bei ihren täglichen Turnübungen. Selbstverständlich alles klinisch sauber, englisch beschriftet und ohne Eintrittspreis. Hongkong macht mir wirklich Eindruck. Als ich bei Sonnenuntergang völlig verschwitzt wieder den Marmorpalast betrete, tue ich das mit dem guten Gefühl, erst mal abzuwarten und mir dann erst Sorgen zu machen. Als mir dann der strahlende Manager meinen Pass entgegenstreckt und meint, dass es doch keine Probleme gegeben habe, kann ich mir in etwa vorstellen, wie mein nächstes halbes Jahr aussehen wird. Kann eigentlich gar nichts mehr schiefgehen. Abends gehen wir auf die Suche nach etwas Essbarem, was ing Hongkong gar nicht so einfach ist, wenn man mit schmalem Budget reist. Es gibt zwar vom Planeten Holywood bis zum Swiss Chalet alles, was das Herz begehrt, nur dass die Preise so hoch wie in Zürich sind. So richten wir unsere Geschmacksnerven Richtung MacDonalds und KFC aus, die ein fast unschlagbares Preis-/Leistungsverhältnis bieten. Von den unzähligen Discos und Live-Konzerten wagen wir gar nicht erst zu träumen und legen uns früh schlafen. Eine herbe Enttäuschung erlebe ich in den Bücherläden: Lehrmittel für den Deutschunterricht sind nur in englisch und nicht in Mandarin erhältlich und alle Bücher im Bereich Ficition und Non-Fiction sind teurer als in Europa. Wird also nichts aus den gemütlichen langen Leseabenden in Urumqi. Dafür kommt die Entwicklung meiner Fotos ganz manierlich raus. Die Filme hatten keinen Schaden genommen und die Kamera, meine geliebte Yashica T5, scheint nach wie vor einwandfrei zu funktionieren. Ich zweifle einzig an meiner eigenen Fähigkeit, gescheite bilder zustande zu bringen. Ich nerve mich bei jedem tollen Sujet, dass ich durch Nichtbeherrschung der Belichtungsautomatik versaut habe. Dennoch finde ich unter dem ganzen Ausschuss, der nur noch sentimentalen Wert hat, ein paar ansehliche Aufnahmen, die ich gleich vergrössern lasse. Es ist schon verdammt lange her, seit ich so saubere Luft geatmet habe. Ich stosse auf eine verborgene Bucht mit bezauberndem Sandstrand, eingefasst in üppige Vegetation. Ich lasse die Wellen der Südchinesischen See um meine Beine tänzeln und träume von der Robinson-Nummer auf der einsamen Insel. Ich setze mich auf einen Felsen, blicke aufs Meer und denke nach. Eigentlich ist alles ganz einfach. Ein kurzes E-Mail nach Urumqi und ein spottbilliges Ticket nach Bangkok trennt mich vom Paradies. Meine Freunde würden mich wahrscheinlich sogar verstehen. Ich komme aber zum Schluss, dass das, was ich in Urumqi vorhabe, irgendwie mehr Sinn macht und dass ich wahrscheinlich anschliessend die einsame Insel noch viel geiler finden werde.
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