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Sorry, no English avail. | ||||||
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| Guangzhou, Januar 2001 Klaas und Bianca werden nach Kathmandu weiterfliegen, wofür ich sie zugegebenermassen ein bisschen beneide. Ich mache mich auf den Weg zurück nach China, diesmal aber auf die billige Tour. Nach einer kuzen Zugfahrt wtehe ich vor der Grenze zur SAR Shenzhen, überqüre eine Brücke und bin nach ein paar Formularen schwups wieder in China. Das merke ich sogleich, als ich mich nach dem Busstop erkundige und mich kein Schwanz versteht. Shenzhen bietet wohl kaum was, das Hongkong nicht weit besser hätte und so fahre ich direct zurück zur Stadt am Pearl River. Am Bahnhof von Guangzhou wird mir klar, dass ich mir eine saublöde Jahreszeit zum Reisen ausgesucht habe. Chinesisches Neujahr steht vor der Tür und jeder Chinhese versucht während seinen Ferien nach Hause zu reisen. Der Bahnhof quillt vor Menschen über, das Sicherheitspersonal versucht verzweifelt, der Situation Herr zu werden. Ich gebe mein Gepäck am Bahnhof ab und mache mich auf Ticketsuche. Die Situation an den regulären Schaltern ist hoffnungslos und der Schwarzmarkt scheint komplett ausgetrocknet zu sein. Ich klappere mehrere Reisebüros ab, das einzige, was ich aber bekommen kann, ist ein Ticket für einen Zug, der zwei Tage später nach Xian fährt. Dort wollte ich eigentlich nicht unbedingt zurück, aber es bleibt mir nichts anderes übrig. Die Zeit dazwischen will ich nicht in der Nähe des Bahnhofs verbringen und so fahre ich mit dem Taxi durch die ganze Stadt Richtung Süden zu einer Insel im Pearl River, wo in den guten alten Zeiten der Chinareisenden die Briten, Portugiesen und andere Handelsnationen ihr Unwesen getrieben hatten. Zu dieser Zeit war es den Ausländern nicht erlaubt, das Festland zu betreten und so haben sich die verhinderten Kolonialherren mit den Profiten aus dem Opium- und Teehandel ziemlich feudal auf der vorgelegten Insel eingerichtet. Wahrscheinlich bietet die Insel, die mittlerweile durch bauliche Massnahmen nicht mehr als solche wirkt, eines der wenigen Anschauungsstücke kolonialer Architektur in China. Mein Zimmer teile ich mit einem Kanadier, der das Double von John Belushi sein könnte und seiner taiwanesischen Freundin. Der Typ lebte zuvor in Toronto jahrelang mit einem Tai-Chi-Master zusammen, arbeitet nun seit drei Jahren in Taiwan als Übersetzer von Computermanuals und spricht fliessend kalt und warm Kantonesisch und Mandarin. In den folgenden zwei Tagen quatschen wir ununterbrochen und ziehne in den verwinkelten schmalen Gassen vom alten Teil Guangzhous rum. Wenn ihr euch vorstellen könnt, wie es sein muss, wenn man mit einem kantonesisch sprechenden John Belushi in Kanton (der deutsche Name der Stadt) unterwegs ist, könnt ihr erahnen, welch herrliche Zeit ich dort verbringe. Egal ob Kleinkind, Grossmutter, Businessman oder Shopbesitzerin, der Kanadier quatscht jeden an und kaum jemand will in wieder gehen lassen. In den Restaurants stürmt er jeweils direkt in die Küche und gibt unter grossem Gelächter dem Personal Anweisungen. In den Märkten muss ich nur auf etwas zeigen, das ich nicht kenne und mein Begleiter macht gleich alles für mich ausfindig. Jedesmal versammeln sich unzählige Menschen, die vor lachen Tränen in den Augen haben. Ständig stoppen wir in irgendwelchen kleinen schäbigen Restaurants um immer wieder neue Gerichte zu kosten. Ich erkläre die kantonesische Küche als eine der besten der Welt. Wir schaffen es, in einem wunderschönen buddhistischen Tempel nach Torschluss dem abendlichen Chanting der in prächtige Tücher gehüllten Mönche vor den riesigen goldenen Buddha-Statuen beizuwohnen und danach erst noch vom Abt persönlich begrüsst zu werden. Nachts sitzen wir in einem Park und während mir Belushi seine Tai Chi Kenntnisse demonstriert, versammeln sich die anwesenden Chinesen und applaudieren. Wir sprechen viel über Taiwan und China, er interessiert sich sehr für die Situation der Minoritäten im Nordwesten. Durch seine Bekanntschaft erhalte ich ein anderes Bild von China und den Chinesen. Der Reiz dieses Landes liegt definitiv in den Leuten selber und ohne die nötigen Sprachkenntnisse kommt man nicht weit. Oder beschräkt sich eben auf die Sehenswürdigkeiten, von denen meines Erachtens nicht viel übrig geblieben ist. Der Zug nach Xian ist bis zum letzten Platz ausgebucht und die Gänge mit Gepäck vollgestopft. Fast die Hälfte der Passagiere meines Waggons sind Studenten, die über Neujahr nach Hause reisen, der Rest ist zum selben Zweck unterwegs. Viele sprechen englisch und so wird es eine recht kurzweilige Fahrt, auch wenn mir der junge Mittelschüler aus Shenzhen, dessen Vater eine grosse Firma besitzt und der nur im Zug sitzt, weil alle Flüge ausgebucht sind, während Stunden mit idiotischen Fragen, die immer mit whats your favorite beginnen, gründlich auf die Nerven geht. Eine Managerin aus Xian prophezeit mir, dass ich in Xian grosse Schwierigkeiten haben werde, zu dieser Zeit ein Ticket nach Urumqi zu bekommen und stellt mir zwei Geschäftsleute aus Urumqi vor,die auch dringend nach Hause müssen. Die beiden schauen vertraünswürdig aus, sprechen aber kein Wort Englisch. Kurz vor Ankunft schärft mir die Managerin noch mal ein, die beiden nicht aus den Augen zu lassen und ihnen überall hin zu folgen. Den Bahnhof in Xian verlassen wir dann über irgendwelche Hintertüren und befinden uns plötzlich in einer Art Hotel. Ich willige ein, mit den beiden ein Zimmer zu teilen, an der Rezeption gibt man ihnen aber zu verstehen, dass es in China verboten ist, dass ein Ausländer im Zimmer eines Eiheimischen schläft. Na ja, im Zug war es ja möglich, aber so einen Schwachsinn gibt es eben nur in China. Gegen zehn Uhr nachts machen wir uns auf Ticketsuche. An den Schaltern das blanke Chaos. So wandern wir einige Zeit durch die Nacht bis zu einem dubiosen Eingang, hinter dem sich ein dubioser Schalter und eine Menge dubioser Gestalten befinden. Ein verwegener, junger Kerl mit Handy erscheint und einer meiner Begleiter begrüsst ihn wie einen alten Freund und steckt ihm gleich teure Zigaretten zu. Ein längeres Gespräch findet statt und der Jüngling sagt immer nur meiyou, was soviel wie habe ich nicht bedeutet. Schlussendlich aber freudiges Händeschütteln, noch mehr teure Zigaretten und wir legen 400 Mäuse pro Nase auf den Tisch, worauf wir einen Notizzettel mit etwas Gekritzel erhalten. Die Tickets sollen dann miantian kommen. Mir kommt langsam der Verdacht, dass meine Begleiter wirklich so bescheuert sind, auf diesen alten Trick reinzufallen. Die Ticketübergabe soll am Abend des nächsten Tages stattfinden, einige Stunden vor Abfahrt des Zuges. So habe ich nochmals einen Tag in Xian, den ich dazu nutze, ein paar Dinge für meine Freunde einzukaufen. Ein strahlend schöner Wintertag. Ich habe noch genau zwei Tage, bevor mein Unterricht beginnen sollte und keine Ahnung, was in Urumqi zur Zeit abgeht. Zum vereinbarten Zeitpunkt stehen wir wieder vor dem dubiosen Schalter, der Junge mit Handy ist selbstverständlich nicht aufzutreiben. Man führt uns in ein schmuddeliges Hinterzimmer mit Bett und TV, in dem schon ein paar andere Leute warten und sich dabei schwachsinnige Kung-Fu-Filme ansehen. Ich muss mir zwei der hirnrissigen Streifen reinziehen, bis endlich der Typ auftaucht, nach einem kurzen Gespräch aber gleich wieder verschwindet. Meine Begleiter scheint der Optimismus nach dem Auftritt etwas verlassen zu haben. Ich habe mich ausgeklinkt, schaue noch einmal gut eine Stunde den wild durch die Luft fliegenden Schauspielern zu, bis endlich auf einen Hongkong-Movie mit englischen Untertiteln amgeschaltet wird, bei dem alle bis auf die Zähne bewaffnet sind und sich gegenseitig im Akkord umlegen. Der Streifen ist so absurd, dass ich mir das Lachen nicht verkneifen kann. Beim grossen Showdown kann ich nicht mehr und brülle los, was das anwesende Publikum mit gebanntem Blick offensichtlich nicht nachvollziehen kann. Eine Stunde vor Abfahrt des Zuges taucht unser Mittelschul-Mafiosi wieder auf und streckt uns triumphierend drei Tickets entgegen. Nochmals Zigaretten und wir machen uns im Laufschritt zurück Richtung Hotel. Ist ja wiedermal gut gegangen. Wir erreichen den Zug pünktlich und es ist mir ziemlich egal, dass meine Pritsche gleich neben der Toilette liegt. Die läppischen fünfundvierzig Stunden bis nach Hause schaffe ich auch so locker. Am nächsten Morgen begrüsst mich die Wüste mit dunkelblaüm Himmel und strahlendem Sonnenschein, an den Bahnhöfen ist es wieder bitterkalt und zu essen gibts nur noch Instant-Nudelsuppen. Das Wetter hält zwei Tage so an und ich freü mich auf Urumqi. Ein kleines Kind, das als blinder Passagier in unserem Abteil mitreist, erklärt mich für ziemlich bescheuert, weil ich kein Chinesisch spreche und versucht mir, mittels seinen Primarschulbüchern, Pinying beizubringen. Zur Belohnung für korrekte Betonung bekomme ich Süssigkeiten. Eine gemütliche Reise, wenn auch vielleicht doch ein bisschen lang. Vor dem Bahnhof wartet dann einer dieser fetten LandCruiser Station Wagon V8 mit allen Schickanen auf uns. So erhalte ich eine Ersteklasse-Fahrt durch den Abendverkehr ins gute alte Xinjiang Hotel. Ich bedanke mich herzlich bei meinen Betreuern, ohne die ich wahrscheinlich immer noch in Xian sitzen würde und revidiere meine Meinung über die Chinesen nochmals. Ich werde vom Hotelpersonal als alten Stammgast herzlich begrüsst und an der Rezeption erhalte ich ohne zu fragen dasselbe Bett im selben Zimmer. Renjing, unser Etagenmädchen, dem wir seit Monaten versuchen Englisch beizubringen, will mir vor Freude über meine Rückkehr fast um den Hals fallen, bezieht gleich mein Bett frisch und füllt die Thermnoskanne mit heissem Wasser. Welcome back home. Es ist fünf Uhr, Frank scheint das Zimmer gerade erst verlassen zu habe, wahrscheinlich für den Abendunterricht von sechs bis acht. Ich werfe meinen Rucksack aufs Bett und rufe bei der Schule an. Dort scheint man meine Ankunft sehnlichst zu erwarten und die Freude ist gross. Der Hörer wird von einem zum anderen weitergereicht, um mich zu begrüssen, keiner will mir aber über meinen Stundenplan Auskunft geben. Merhaba sagt mir dann, dass man bereits eine Nachmittagsklasse von Englischschülern nach Hause geschickt habe (wusste gar nicht, dass ich Englisch unterrichten werde) und mir niemand getraue zu sagen, dass meine Deutschklasse in einer Stunde beginnen sollte. Ich bin hin und her gerissen. Was soll ich tun? Ich habe mir meine Ankunft mehr im trauten Kreise von Freunden mit vielen Geschichten und zweifelhaftem Vodka vorgestellt, als im Klassenzimmer. Schliesslich bin ich aber von jetzt an Lehrer und habe eine Aufgabe zu erfüllen. Da gibts nur eins: Augen zu und durch. Ich stele mich kurz unter die Dusche, ziehe die verschwitzten Klamotten aus Hongkong an, weil ich seit der Ankunft in Guangzhou die gleichen Klamotten trage und nie waschen konnte. Das ist der Nachteil, wenn man nur zwei paar Hosen und zwei Hemden besitzt. -- Tom
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